Nachdem ich eine alte Karte von 1918 vom Heuberg gefunden hatte, beschloss ich nach den dort eingezeichneten Orten zu suchen.  Bevor ich allerdings die Karte lesen konnte musste ich mir erst mühsam die Abkürzungen zusammensuchen. Die digitale Karte deckt einen Bereich von Rosenfeld bis Tuttlingen (Nord-Süd) und Villingen bis Stetten a.k.M. (West-Ost) ab (1:25000). Zu allererst untersuchte ich die nähere Umgebung von Böttingen und Mahlstetten, da ich hier öfters mit dem MTB unterwegs bin.

Ebenfalls interessant sind die kleinen „Gebiete“ von denen die Alten immer sprechen. Bis vor kurzem konnte ich mit Bildhäusle, Steininger Tal, Binselesgrube, Argental, Roßbergle, Rappenhalde überhaupt nichts anfangen. Studiert man die Karte, wird so einiges klar(er). Im Internet stieß ich dann auf den Buchtitel „Kanonendonner über dem Heuberg“ – von Erich Kaufmann. Laut seinen Recherchen gab es ein Schießplatzgelände der Firma Junghans zwischen der Altenburg nähe Bleiche (Tuttlingen) und der Ziegelhütte in Renquishausen.  Hochmotiviert suchte ich nach Koordinaten oder Anhaltspunkten und grenzte die Gebiete mit meiner alten Karte ein.

Zur Geschichte: Die Firma Junghans führte bis ca 1918 regelmäßige Geländeschießübungen mit Feldgeschützen durch. Diese Tests dienten dazu um vorhandene Kriegswaffen (und deren  Munition + Zünder) zu verbessern. Das Schießgelände hatte eine Länge von ca 10km, und ging über mehrere Wälder und Felder.  Im Bereich des Einschlaggebietes der abgefeuerten Granaten befanden sich  zwei Beobachtungsunterstände aus Beton sowie je ein 12m hohe Holzturm zur Beobachtung. Die Beobachtungsunterstände hatten einen Durchmesser von ca 6m und eine Wandung von ca 1m. Allerdings bin ich mir sicher dass sie einem Direktbeschuss nicht standgehalten hätten.  Ich möchte mir nicht vorstellen wie das damals für die Mitarbeiter war, ich hätte da kein gutes Gefühl gehabt..

Nun galt es diese Unterstände ausfindig zu machen. Nach einiger Zeit fand ich heraus das sich ein Unterstand auf dem „Sandbühl“ nahe der Ziegelhütte bei Renquishausen und der anderer sich auf dem Kraftstein bei Mahlstetten befinden sollte. Jedes Gebiet hat eine Größe von ca 5 km², teilweise bewaldet. Ist man dann vor Ort, merkt man erst wie schwer es ist das Areal abzusuchen. Zuerst suchte ich nach dem Unterstand auf dem Kraftstein. Gottseidank gibt es dort einen Geocache und der Unterstand war in einem halben Tag gefunden.

Den anderen Unterstand zu finden gestaltete sich um einiges schwerer, Ich dachte mir ein grobes Raster aus und stampfte durch den Wald. Nach knapp 3 Stunden hatte ich den Wald komplett durchkämmt, leider ohne Erfolg. Ein Betonklotz der knapp 100 Jahre im Wald steht ist wirklich gut getarnt, das hatte ich unterschätzt. Etwas deprimiert ging ich in Richtung Auto und beschloss nochmals das Waldstück zu umfahren. Wie durch ein Wunder sah ich ihn auf der anderen Seite des Waldes dann doch noch. Dort stand er und blickte in Richtung Kraftstein, denkt man sich die Bäume weg, konnte man sich die Einschläge der Granaten gut vorstellen.

Bunker WK1
Bild auf Flickr   Unterstand Renquishausen

Nachdem ich nun beide Beobachtungsunterstände gefunden hatte musste ich nur noch den Abschussstandort der Geschütze finden. Der einzige Anhaltspunkt den ich habe ist das Gebiet „Altenburg“, dieses ist allerdings zu groß um es zu durchkämmen. Laut meinen Recherchen sollen nur noch Betonfundamente zu sehen sein. Vielleicht ergibt sich auch mal eine Radtour in dieses Gebiet (Bilder reiche ich dann nach)….

Wusstet ihr von diesen alten Dingern?  Kennt ihr noch ähnliche vergessenen Orte bei uns?

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